Das letzte Foto, das Jessie gemacht hat, zeigt die Sonne über Berlin. Sie hängt da, als wäre nichts geschehen. Aber Ella hat ihre Tochter verloren. Was ihr bleibt, ist Jessies kleine Schwester und die komplizierte Beziehung zu dem Jungen, dem alle die Schuld geben. Das merkwürdige Trio landet in einem Familienurlaub, den es so nie gab. Unter der flirrenden Sonne Teneriffas verweben sich Erinnerung und Gegenwart unauflöslich ineinander. Die Geister sind überall.^
Gewinner Un Certain Regard Cannes 2026
Der Film "Everytime" von Sandra Wollner ist der offizielle deutsche Beitrag für die Oscar-Verleihung 2027.

Everytime
Regie: Sandra Wollner, Deutschland/Österreich 2026 - Drama - 124 Minuten
Die Sonne geht über Berlin auf. Eine rotgoldene Scheibe, die ihr Licht über die Stadt legt, als wäre nichts geschehen. Das letzte Foto, das Jessie gemacht hat, zeigt genau diesen Moment. Kurz darauf ist Jessie weg.
Zurück bleibt eine Leerstelle, die sich nicht füllen lässt – und drei Menschen, die damit leben müssen. Ella, die Mutter, gespielt von Birgit Minichmayr mit einem Gesicht wie versteinertes Licht. Melli, die kleine Schwester, die jetzt das Zimmer ganz für sich allein hat. Und Lux, der Junge, dem alle die Schuld geben. Während die Welt um sie herum unbeirrt weiterläuft, versuchen sie, irgendwie weiterzumachen – jeder auf seine eigene Weise, und doch ohne wirklich voranzukommen.
Unerwartet finden sie sich gemeinsam auf Teneriffa wieder. Ein Familienurlaub, den es so nie gab, mit Menschen, die keine Familie sind. Und doch sitzen sie nun unter der flirrenden Sonne der Kanarischen Inseln, die gleichgültig weiter scheint wie die Berliner Sonne damals. Warum geht die Sonne weiter auf? Man sollte meinen, nach einer Tragödie wie dieser müsste die Welt den Anstand haben, innezuhalten. Sie tut es nicht.
Dort entgleitet etwas. Die Zeit verliert ihre Verlässlichkeit, beginnt sich zu verbiegen. Jeder, der je tiefe Trauer erfahren hat, kennt die seltsamen Dinge, die sie mit der Zeit anstellen kann: sie dehnen oder zusammenpressen, ganze Abschnitte in ein schwarzes Loch des Gedächtnisses verbannen, oder sie einfach gänzlich aussetzen. EVERYTIME folgt genau diesen Zuständen – mit einer Präzision, die sich wie Traumlogik anfühlt, und mit einer Sinnlichkeit, die unter die Haut geht. Erinnerungen und eine ungelebte Zukunft verweben sich in einer verscho
benen Realität, die angesichts des Unvorstellbaren das Undenkbare zulässt.
Zwischen Nähe und Distanz, Schuld und Vergebung, Stillstand und Bewegung zeichnet sich für Ella, Melli und Lux eine neue Form des Weiterlebens ab – eine, die niemand von ihnen geplant hat und die keine einfachen Antworten kennt. Die Geister sind überall.
EVERYTIME ist radikal sinnliches Kino über die Unmöglichkeit, einen Verlust zu begreifen, und über die seltsame Gleichzeitigkeit von Vergangenheit, Gegenwart und möglicher Zukunft.
Sandra Wollner (THE TROUBLE WITH BEING BORN) treibt mit EVERYTIME ihren Stil auf eine neue, atemraubende Ebene: in jeder Einstellung unendlich überraschend, in jedem Moment auf der Kippe zwischen Diesseits und dem, was jenseits der Sprache liegt. Kameramann Gregory Oke (AFTERSUN) findet Bilder von verstörender Schönheit: nah und zugleich entrückt, körperlich und traumwandlerisch, in jedem Lichteinfall zugleich Trost und Wunde.
Ein Film, den niemand, der ihn bei den diesjährigen Filmfestspielen in Cannes gesehen hat, vergessen wollte.
EVERYTIME gewann dort den Hauptpreis der Sektion Un Certain Regard.
Der Film "Everytime" von Sandra Wollner ist der offizielle deutsche Beitrag für die Oscar-Verleihung 2027.








